Freitag – 9. April – Stimme

74. Frühjahrstagung      Verflechtungen II – Musik und Sprache in der Gegenwart

Freitag 9.4.2021   STIMME

16.00 Uhr
Theda Weber-Lucks
Vokale Performancekunst als universale Sprache
Vokale Performancekunst ist eine von Frauen in den 1960er, 70er Jahren initiierte Spielform der Performance Art, in deren Zentrum die Körperstimme steht. Darin geht es um nonverbale, musikalische Kommunikation und Klangforschung mit der Stimme als Instrument und Medium. Ihr Material sind alle Klangfarben und Geräusche, die der Stimme als Instrument möglich sind.  Die verbale Sprache selbst kommt hier nur rudimentär, fragmentarisch oder in aufgelöster Form zum Einsatz.  In meinem Vortrag gehe ich der Frage nach, inwieweit in Vokaler Performancekunst der nonverbale, vokale Ausdruck selbst zu einer Art universaler Sprache wird -jenseits  von einergrammatischen oder semantischen Reglementierung. Dabei stütze ich mich einerseits auf die eigene Forschungsarbeit, – wie z.B. auf zahlreiche unpublzierte Interviews mit Vokalperformer_innen,die ich um 2000 herum führte –  und ziehe andererseits Rückschlüsse aus einschlägigen Forschungsarbeiten zum Kognitiven Unbewussten (Lakoff und Johnson) sowie zu den Ursprüngen von  Musik und Sprache aus kognitions-archäologischer Perspektive (Steven Mithen).

16.45 Uhr
Yvonne Spielmann
Elektronisches Vokabular im audiovisuellen Medium Video
Anhand historischer Experimente aus der Frühphase analoger Videokunst stelle ich verschiedene Artikulationen einer „videospezifischen elektronischen Sprache“ vor und führe weitere Beispiele der intermedialen Auseinandersetzung mit Sprache/Text, Bild und Ton/Musik in der Gegenwartskunst des Videos an.

18 Uhr
Roundtable mit
Sarah Maria Sun, Thierry Tidrow und Robin Hoffmann
(Rolf Riehm musste leider kurzfristig absagen)

Video und Text Sarah Maria Sun
Text Thierry Tidrow

20 Uhr
Konzert mit

Sarah Maria Sun, Sopran
Jan Philip Schulze, Klavier
Kilian Herold, Klarinette

Programm:
Rolf Riehm

Der Asra (2014)
Orpheus Euphrat Panzer (2016)
Hyperions Schicksalslied (2020) UA, Kompositionsauftrag des INMM

Gordon Kampe

Winzige Lieder (2016)

Thierry Tidrow

Vier Elementarphantasien (2017-2020):

Die Meeresbrandung (2017)
Der Erdriese (2018)
Der Sturm (2020) UA, Kompositionsauftrag des INMM
Die Flamme, Trio-Version (2020), UA, Kompositionsauftrag des INMM

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Vorschau:





Theda Weber-Lucks
geb. 1965, Literatur- und Musikwissenschaftsstudium in München, Promotion in Berlin über „Vokale Performancekunst als Neue Musikalische Gattung“. Daneben pädagogisch-künstlerische Ausbildung im Fach Blockflöte und private Gesangsstudien bei verschiedenen Vokalperformer_innen (Meredith Monk, Joan La Barbara, Phil Minton u.a.) und Opernsänger_innen, zuletzt bei Anita Spiegelberg. Seit 2020 Ausbildung zur Stimmtherapeutin bei Carien Wijnen (Healing Voice). Sie forscht in den Bereichen Neue und experimentelle Musik, Improvisation, Klangkunst, und Vokale Performancekunst sowie zu den Themen Musikpädagogik als Kunst, experimentelle Musikpädagogik und Improvisation. An der Leo Kestenberg Musikschule Berlin leitet sie die Fachgruppe „Neue Musik, Performance- und Klangkunst“ und ist dort selbst als Pädagogin für u.a. Improvisation, Performance- und Klangkunst tätig.  Als Vokalperformerin und Veranstalterin entwickelt und leitet sie interdisziplinäre Performance- Konzert- und Raumklangevents, z.T. in enger Zusammenarbeit mit u.a. Dieter Schnebel (1930-2018), Reinhard Gagel, Gino Robair und dem bildenden Künstler Daniel Kupferberg. Sie ist Mitbegründerin und Vorstandsmitglied der Internationalen Leo Kestenberg Gesellschaft e.V. und in diesem Rahmen forschend und publizierend tätig. Außerdem ist sie Autorin zahlreicher Rundfunkbeiträge, u.a. für Deutschlandfunk, sowie Herausgeberin der Festschrift „Dieter Schnebel – Querdenker der Musikalischen Avantgarde“ (2015).
Yvonne Spielmann
geb. 1957, ist Medien-, Kommunikations- und Kulturwissenschaftlerin. Sie war 2001–07 Professorin für Visuelle Medien an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 2007–12 Professorin und Leiterin des Bereichs Neue Medien an der School of Creative Industries an der University of the West of Scotland. In Singapore war Spielmann 2012–15 zuletzt Dekanin der Fakultät der Schönen Künste am Lasalle College of the Arts und dort verantwortliches Mitglied des Senior Management. Forschungsschwerpunkte sind westliche und nichtwestliche Gegenwartskunst, interkulturelle Kommunikation, digitale Medienkunst, elektronische Medien und Intermedialität. Bei Suhrkamp erschienen u. a. „Video. Das reflexive Medium“ (2005) und „Hybridkultur“ (2010).
Sarah Maria Sun
geb. 1978, zählt zu den international führenden Sopranistinnen für Neue Musik im Bereich Lied und Musiktheater. Ihr Repertoire beinhaltet neben zahlreichen Liedern über 900 Werke des 20. / 21. Jahrhunderts; an mehr als 350 Uraufführungen war sie beteiligt. Suns sehr vielseitige Stimme und ihre eindringliche schauspielerische Interpretation beweist sie immer wieder in der Darstellung komplexer Frauenfiguren wie in „Yes, I will Yes“ (Dieter Schnebel). Für ihre Interpretation von Salvatore Sciarrinos „Lohengrin“ (2017) und Philip Venables‘ „Psychose 4.48“ (2019) wurde sie als Sängerin des Jahres nominiert. 2007–15 war sie Sopranistin der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Allein 2017 wurden vier ihrer sechs CD-Neuveröffentlichungen für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Thierry Tidrow
geb. 1986 in Ottawa, studierte er an der McGill University in Montréal, am Conservatorium van Amsterdam und an der Hochschule für Musik Freiburg. Aufführungen in Europa und Nordamerika, mit dem Ensemble Garage, hand werk, dem Ensemble Proton, dem Ensemble Talea, dem Ensemble Modern, der Quatuor Bozzini, Sarah Maria Sun u. a. Festival Radio-France de Montpellier, Heidelberger Frühling, Huddersfield Contemporary Music Festival und Music Biennale Zagreb. Berliner Opernpreis 2018 der Neuköllner Oper, Stipendiat der Akademie Musiktheater heute der Deutschen Bank Stiftung (2017–2019). Aktuell Composer in Residence an der Oper Dortmund.
Robin Hoffmann
geb. 1970, https://robinhoffmann.de
Rolf Riehm
geb. 1937 in Saarbrücken, studierte zunächst Schulmusik in Frankfurt a. M., ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg i. Br. Neben Heinz Holliger war er in den 1960er Jahren einer der führenden Oboisten für Neue Musik (u. a. Dozent bei den Ferienkursen in Darmstadt). Riehm hat ein vielseitiges Œuvre geschaffen mit allein 20 großen Orchesterwerken sowie elektronischer Musik, Hörspielen Kammermusik und zwei großen Bühnenwerken, die aktuelle Zustände anhand griechischer Mythologie betrachten. In seiner Oper „Sirenen – Bilder des Begehrens und Vernichtens“ (Frankfurt a. M. 2014) sang Sarah Maria Sun die Titelpartie. Riehm ist vielen insbesondere durch politisch-engagierte Initiativen bekannt, als Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik (1964–70), 1968–72 als Mitglied des Kölner Komponistenkollektivs „Gruppe 8“ und 1976–81 als Mitglied des Frankfurter “Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters”. 1974–2000 war Rolf Riehm Professor für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt a. M. Gerade für konzeptionell denkende jüngere KomponistInnen ist Riehms undogmatische, gesellschaftskritische und gehaltsästhetische Arbeitsweise eine wichtige Referenz. Sprache ist ein zentraler Bestandteil fast aller seiner Instrumentalwerke und seines kompositorischen Denkens.
Jan Philip Schulze
ist Pianist und begleitete SängerInnen wie Juliane Banse, Dietrich Henschel, Jonas Kaufmann und insbesondere Sarah Maria Sun auf vielen großen Bühnen der Welt von der Scala Mailand bis zur Londoner Wigmore Hall, der Berliner Philharmonie bis Tokio. Er erarbeitete neue Werke mit Komponisten wie Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm, Dieter Schnebel, Jörg Widmann, Manfred Trojahn oder Nikolaus Brass, führte aber auch als Solist Klavierkonzerte auf, etwa mit den Sinfonieorchestern des BR und WDR. Seit 2003 ist Jan Philip Schulze Professor für Lied an der Musikhochschule Hannover.
Kilian Herold
ist Klarinettist, studierte in Berlin, Chicago und Hannover. 2004 wurde er im Alter von 23 Jahren Mitglied und Gesellschafter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. 2011–16 war er Soloklarinettist des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden / Freiburg, war außerdem als Solo-Klarinettist Gast u. a. bei den Berliner Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks. 2017 erschien eine CD mit der Sopranistin Sarah Maria Sun mit Werken von Mátyas Seiber. 2016 wurde Herold jüngster deutscher Klarinettenprofessor Deutschlands an die Musikhochschule Freiburg. Er ist seit 2017 künstlerischer Leiter der internationalen Klarinettentage Staufen.
Gordon Kampe
geb. 1976 in Herne, studierte nach einer Ausbildung zum Elektriker, Komposition bei Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky und Nicolaus A. Huber. Außerdem studierte er Musik- und Geschichtswissenschaften in Bochum. Seit 2017 ist Kampe Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Bereich des Musiktheaters. Die Genres reichen von experimentellen Formen und Stückentwicklungen, Recherche-Arbeiten, Installationen, Live-Hörspielen, Werken für Kinder bis hin zur Oper.
Das Institut für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt fördert zeitgenössische Musik aller Bereiche und ihre pädagogische Vermittlung.

Das thematische Spektrum reicht von der Tradition der kompositorischen Avantgarde über Klangkunst, Performance, Neue Medien und grenzüberschreitende Konzepte bis zur Improvisation, zum Jazz und zur Musik der Jugendkulturen.

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