Festival BLAUES RAUSCHEN – Essen

Freitag, 1. Oktober 2021, AmVieh-Theater, Viehofer Pl. 19, Essen

Sonntag, 3. Oktober 2021, Galerie Gublia, Kreuzeskirchstraße 3, Essen

Festival BLAUES RAUSCHEN: Elektronische Musik und Digitale Experimente in Essen

Das Festival BLAUES RAUSCHEN verwandelt Essen an zwei Tagen (1. Oktober und 3. Oktober) erneut in ein Labor für die Standortbestimmung im „digital“. Das Publikum erwarten Konzerte, Performances und Installationen von etablierten Soundkünstler*innen und Newcomern. Insgesamt findet das Festival an sechs Tagen vom 25.09. – 03.10.21 in Essen, Dortmund und Bochum statt.
Tageskarten sind für 15 Euro (ermäßigt 11 Euro) im Vorverkauf ausschließlich online unter https://blaues-rauschen.ticket.io/ erhältlich.

Alle Veranstaltungen unterliegen zum Schutz der Teilnehmenden einem strengen Hygiene-Schutzkonzept.

 

Freitag, 1. Oktober 2021  
Essen, AmVieh-Theater, Viehofer Pl. 19

Dichotomie – Natur/Kultur

Der Blick auf fortschreitende Umweltzerstörung und Klimawandel erschüttert unser Verständnis davon, was naturgegeben ist und was künstlich geschaffen wurde. Vier Acts untersuchen, wie sinnvoll ist unser Wirken angesichts dieser Fragen ist: Echo Ho, Bellchild und Ozan Tekin diskutieren diese Thematik, indem sie natürlich vorkommende und willkürliche Klänge und Klangfolgen in Kompositionen einbinden und sie mit synthetisch erzeugten Sounds verschmelzen. Die Gruppe Moment hingegen inszeniert die Wechselwirkung von Mensch/Maschine und Künstler*innen/Publikum.


Die Künstler*innen:

GRUPPE MOMENT – Stadtgeister

Der Wissenschaftler Georg Agricola verfasste um 1500 eine Abhandlung über „freundliche und feindliche Wesen“, die unter Tage leben, in den Alltag der Menschen eingreifen und neue Realitäten schaffen. Diese Wesen und ihren Einfluss untersucht die GRUPPE MOMENT mit „Stadtgeister“: Die Schallquellen, die die Performer bei sich tragen, werden vom Klangregisseur via WLAN gesteuert. Auch das Publikum kann mit dem Smartphone auf ein bereitgestelltes Audiostreaming zugreifen und zum Teil dieser Klangfläche werden. Klangvariablen, die sich aus Algorithmen der Audiotools ergeben, manipulieren den dramaturgischen Verlauf der Performance – eine Wechselwirkung aus Mensch und Maschine.

Die Gruppe Moment ist ein Kollektiv aus Musiker*innen und Tänzer*innen, vereint durch zeitgenössische Experimentalkunst und gemeinsame Ideen: Elektronische Musik als Sinnbild für eine nie endende Betriebsamkeit, eine Choreographie, die alles aufhalten will, und akustische Musik, die immer wieder alles in anderer Perspektive erscheinen lässt.

Echo Ho – ZO-ON SLOWS

Field-Recording trifft auf glitchy Beats, polyphone Vocals auf ungewöhnliche Instrumentalklänge:  In ihrer Arbeit erschafft Echo Ho Neukompositionen mit dem klassischen chinesischen Guqin-Saiteninstrument. Ihren ungewöhnliche Klangmix kombiniert sie mit Kulturen des Schleimpilz physarum polycephalum, die in einem geschaffenen elektrischen Lebensraum wachsen. In einem fiktiven Beziehungssystem wird hier eine gegenseitige Kommunikation zwischen einem Menschen und einem monozellulären Organismus ermöglicht. Ein wissenschaftlich anmutender Versuch, der sich in einer genrebrechenden Performance erstaunlich musikalisch zeigt.

Ihr künstlerisches „Nomadentum“ führte Echo Ho von Peking über Hongkong und Berlin nach Köln: Die experimentelle Komponistin und Performerin beschäftigt sich mit dem erfinderischen Prozess, bei dem kulturell gemischte Medien und Algorithmen kombiniert werden, um ein zufälliges und kurzlebiges Gewebe aus Ton und Bild zu schaffen. Ho’s Werke wurden unter anderem im He Xiangning Kunstmuseum Shenzhen, Centre-A Vancouver, ISEA, ZKM Karlsruhe aufgeführt und ausgestellt.

Bellchild – Out of Home

Altes und Neues, akustisch und elektrisch, analog und digital, tanzbar und für den Ohrensessel – nach diesem Kredo operieren die beiden Soundforscher Tarek Zarroug und Henning Pszczola.
Ihre Musik bewegt sich dabei zwischen treibenden elektro-akustischen Rhythmen, verträumtem Gesang und synthetisch erzeugten Klangwelten. Eingerahmt in Field-Recordings, die ihre Heimat, die Metropolregion Rhein-Ruhr, hör- und fühlbar machen, verstehen sie ihre Arbeit als eine niemals endende Suche – wohlwissend, dass die einzige Konstante der Wandel ist.

Das Duo Bellchild hat sich im dicht besiedelten Rhein- und Ruhrgebiet gefunden und lotet seitdem die Grenzen zeitgenössischer elektronischer Musik immer weiter aus. Sie erforschen die Möglichkeiten von spannungsgesteuerten Vibrationen und Sampling, verschmelzen diese mit treibenden akustischen Drums, verträumten Gitarren und Lead-Vocals. Ein Multi-Genre-Projekt, das die Bereiche der elektronischen, experimentellen und psychedelischen Musik mit einem Hauch von Pop verbindet.

Ozan Tekin – Noise vs Noise

Hinein in die imaginäre Anti-Stadt! Aus seiner Zeit in Istanbul hat Ozan Tekin den enormen Geräuschpegel der Metropole als stetige Erinnerung mitgenommen und jetzt ein Sound-Set als akustischen Gegenpol entwickelt. Seine analogen und digitalen Synthesizer mixt und morpht der routinierte Toningenieur mit originären Audiosignalen zu einer medtiativ-pulsierenden Klangkulisse mit urbanen Crescendos: Zwischen den beruhigend anmutenden Ambient-Collagen tauchen immer wieder das Chaos, die Unsicherheit und verschiedene mentale Zustände des Stadtlebens auf.

Der Performer und Produzent Tekin lebt derzeit in Köln und arbeitet für und mit unterschiedlichen Künstler*innen aus Istanbul sowie wie mit dem libyschen Disco-Star Ahmed Fakroun oder der Kölner Band BODDY. Als Komponist und Sounddesigner für Theaterstücke, Performances und Film erweitert er seinen Aktionsradius ständig.

 

Sonntag, 3. Oktober 2021  
Essen Galerie Gublia, Kreuzeskirchstraße 3

Algorithmic Composition & Distribution

Wie nie zuvor prägten in den letzten Monaten die digitalen Medien das Leben – arbeiten, kommunizieren und nicht zuletzt auch künstlerische Werke distribuieren. Mit zwei Lecture-Performances von Enrique Tomás und Balázs Kovács will BLAUES RAUSCHEN die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie und inwieweit sich technische Entwicklungen und künstlerische Optionen bedingen, beeinflussen und alternativ nutzen lassen können. Ebenfalls am gleichen Spielort wird das Projekt „Wald und Klang“ vorgestellt. Blaues Rauschen hat dazu 10 internationale Künstler*innen aus den Bereichen ars acustica, Klangkunst oder Soundcollage eingeladen, 5-minütige Arbeiten zum Thema „Wald und Klang“ einzureichen.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Die Künstler*innen:

Enrique Tomás – A Moment of Transition

Wie ist es möglich, Musikwerke in Musikinstrumente einzubauen? Enrique Tomás hat dafür eine Live-Performance geschaffen, die mit einem selbst entwickelten Interface ausgeführt wird, dessen Form von bestimmten Klanggesten inspiriert wurde. Per Berührung mit der Hand erkundet Tomás die taktilen Muster, die auf dem Instrument eingraviert sind. Dadurch wird die Manipulation der Musikinformationen ermöglicht. Es wird deutlich, wie sehr unser Körper für die Schaffung dieser „Momente des Übergangs“ zwischen Objekten und Musik verantwortlich ist. Das Ergebnis dieser Begegnung: eine Live-Performance aus abstraktem Klangmaterial und resonanten, tiefen Texturen.

Enrique Tomás forscht an der Kunstuniversität Linz nach alternativen musikalischen Ausdrucksformen und spielt dabei mit Klang, Kunst und Technologie. Er untersucht die Schnittstelle zwischen Klangkunst, Computermusik, lokativen Medien und Mensch-Maschine-Interaktionen und schafft eigens kreierte Instrumente und Interfaces.

Balázs Kovács: I’m the operator with my farmer calculator: digital-natural artforms

Handhelds, Watches, Tablets – immer mehr Geräte sollen uns helfen, unsere Kommunikations- und Unterhaltungsbedürfnisse zu steuern und zu befriedigen. Dabei wird das technische und kreative Potenzial nie vollständig genutzt. Balázs Kovács sieht in diesen Technologien daher die Möglichkeit, unser digital vernetztes Dasein in eine widerstandsfähigere und ökologisch sinnvollere Lebensform umzuwandeln. In seinem Vortrag stellt er daher Lösungen, Projekte und Ideen vor.

Balázs Kovács ist Philosoph und Klangkünstler aus Pécs, Ungarn. Nach seiner Promotion in interaktiver Beschallung und Habilitation in virtuellen/realen Klangkunstbrücken wurde er Leiter des BA-Programms für elektronische Musik und Medienkunst an der Universität von Pécs und veranstaltet die Hangfarm Open-Air- und Low-Power-Ausstellung für Klangkunst in Ellend, Ungarn. Auf der Suche nach Lösungen für elektronische Musik mit eigener Stromversorgung organisierte er 2018 das erste photoSynth-Symposium.

WALD UND KLANG

Dürre, Brände, Ruhe, Bäume, Ressource, Klima, Klang, Tiere, Holz, Wild, Natur, Atmosphäre:

Das Festival präsentiert Hörstücke zehn internationaler Künstler*innen aus den Bereichen ars acustica, Klangkunst, Soundart, Soundcollagen von jeweils 5 Minuten Länge zum Thema „Wald“.

Die Künstler*innen: Anne Lepère, Denise Ritter, Swanasa, Marieke van de Ven, Karl-Heinz Blomann, Nicolas Collins, Javier Garavaglia, Frank Niehusmann, Jon Rose undWard Weis.

Das Institut für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt fördert zeitgenössische Musik aller Bereiche und ihre pädagogische Vermittlung.

Das thematische Spektrum reicht von der Tradition der kompositorischen Avantgarde über Klangkunst, Performance, Neue Medien und grenzüberschreitende Konzepte bis zur Improvisation, zum Jazz und zur Musik der Jugendkulturen.

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