Speicher des Hörens: Echo, Berge, Grotten in Berlin

20.11.2019, 19 Uhr

Speicher des Hörens: Echo, Berge, Grotten

Musik, Gespräch, Film
Raed Yassin, Daniel Ott, Karlheinz Stockhausen

Akademie der Künste Berlin, Pariser Platz 4, Black Box, 6/4€
Reservation Tel. (030) 200 57-1000, email hidden; JavaScript is required, online: www.adk.de/tickets

Das Echo ist ein akustischer Kurzzeitspeicher, der Orts- und Hörerfahrung prägt. Raed Yassins Recherchen zu Karlheinz Stockhausens Konzerten in den Jeita-Tropfsteinhöhlen im Libanon 1969 hallen 50 Jahre später in der Performance Time Tuning nach. Saxophon-Soli erinnern an den 2019 uraufgeführten Echo-Dialog Fin al Cunfin von Daniel Ott an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Sie sprechen miteinander über die Bedeutung von Echo im akustischen, metaphysischen und politisch-historischen Sinne. Anschließend wird der dokumentarische Film Stockhausen et les grottes de Jeïta von Anne-Marie Deshayes gezeigt.

 

Programm

Raed Yassin: Time Tuning (2019, DE) 50 years later
Lecture-Performance

Daniel Ott: Fin al Cunfin (Auszüge, 2019, DE)
Saxophon: Remo Schnyder

Gespräch, Moderation: Julia Gerlach, in engl. Sprache

Stockhausen et les grottes de Jeïta
Film von Anne-Marie Deshayes und Luc Ferrari, 1969, 45 Min., franz. OmeU

 

In Raed Yassins Performance Time Tuning hallen zum 50-jährigen Jubiläum spektakuläre Konzerte von Karlheinz Stockhausen in den einzigartigen Jeita-Tropfsteinhöhlen im Libanon im November 1969 nach. Raed Yassins stellt diese international besuchten avantgardistischen Konzerte in einen historischen Bezugskontext zu Mondlandung, Mohammed und seiner eigenen künstlerischen Identität. Seine Performance aus Klang, Video und Text präsentiert auf der Grundlage von Archivrecherchen und künstlerischen Verknüpfungen eine neue Lesart.

 

Auch Daniel Otts Musiktheater-Aktion Fin al Cunfin, die im Sommer 2019 an der österreichisch-schweizerischen Grenze „Open Air“ uraufgeführt wurde und in der offenen Architektur des Akademiegebäudes in einigen Saxophon-Solopassagen nachhallt, widmet sich einem historischen Ereignis an einem ebenfalls akustisch prägnanten Ort: der Grenzanlage Altfinstermünz, einer engen Schlucht, die Ort zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen war (z.B. Schweizer- oder Schwabenkrieg 1499) und heute eine EU-Außengrenze darstellt.

 

Dieser Echo-Dialog wirft ästhetische und territoriale Fragen auf. Wie wird die österreichisch-schweizerische Geschichte heute gelesen und gedeutet und welche Bedeutung hat sie für die aktuellen Herausforderungen in Europa? Welche Bedeutung hatten die Stockhausen-Konzerte im Libanon im Hinblick auf musikalische Identifikation und Legendenbildung, wie kam Stockhausens Musik bei den eingeladenen internationalen Diplomaten an und wie beeinflusste dieser unvorstellbar hallige Raum die Musik, so dass ein einzigartiges Erlebnis entstehen konnte?

 

Mit der neuen Gesprächskonzertreihe „Speicher des Hörens“ thematisiert die Sektion Musik der Akademie der Künste Lesarten und Deutungshoheit von Geschichte und Archivierung im Feld der Musik. Exemplarisch für diesen Denkprozess treten jeweils ein internationaler Komponist/Musiker und ein Mitglied der Akademie der Künste in einen musikalischen und diskursiven Dialog.

Das Institut für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt fördert zeitgenössische Musik aller Bereiche und ihre pädagogische Vermittlung.

Das thematische Spektrum reicht von der Tradition der kompositorischen Avantgarde über Klangkunst, Performance, Neue Medien und grenzüberschreitende Konzepte bis zur Improvisation, zum Jazz und zur Musik der Jugendkulturen.

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