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Publikationen |
Musik & Bildung 02/2005 Zur 59.Arbeitstagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt „Die Zeiten sind schwierig“ Trotz der unsicheren Finanzlage
und dem extremen Sparzwang, der sogar zu kurzfristigen Streichungen von
Veranstaltungen führte, ist es dem neuen,
2004 gewählten Vorstand des Institutes für Neue Musik und
Musikerziehung unter der Leitung von Helmut Bieler-Wendt gelungen eine
interessante, hochkarätig
besetzte und inspirierende Tagung zu veranstalten. Dass die Tagung von jungen Leuten mit der „Stadtmusik“ eröffnet und mit einem ebenso beeindruckenden Workshopkonzert der KinderUni beendet wurde, setzt Zeichen und deutet eine Fokussierung auf musikpädagogische Vermittlung an, die in den letzten Tagungen gegenüber einer mehr theorielastigen musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik eher zu kurz kam. Und die Präsentation und Vermittlung Neuer Musik, vollzogen über ihre Inszenierung war ja das annoncierte Thema, das in den Eröffnungsreferaten auf unterschiedliche Weise bearbeitet wurde. Peter Ausländer zeigte aus sehr persönlicher Sicht im Rückblick auf seine jahrzehntelange Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen vielfältige Beispiele für eine nachhaltig wirkende Vermittlungsarbeit. Dass man auch im ländlichen Bereich wie dem im Pfälzer Wald gelegenen Kaiserslautern zeitgenössische Musik mit innovativen Konzert-Inszenierungen ansprechend vermitteln kann, de-monstrierte Andrea Edel, die dort seit 8 Jahren erfolgreich tätig ist. Für den erkrankten Stefan Fricke eingesprungen waren im dritten Teil der Eröffnung Rolf Stoll und der Filmemacher Peider A. Defilla, die mit Dieter Schnebels Ekstasis die erste einer bei WERGO neu erscheinenden DVD-Edition mit Gegenwartsmusik präsentierten. Wie man sehen konnte, bietet die DVD einen reichen, durch seine Authentizität überzeugenden Materialfundus zu Autor und Werk; neben der aufgezeichneten UA findet man darauf Interviews mit dem Komponisten, den Interpreten, Partiturausschnitte sowie weiterführende Links und Informationen. Das ist einerseits von didaktischem Wert, andererseits, um sie unmittelbar im Unterricht einsetzen zu können, bedarf es hier an zusätzlichem noch ausstehenden Begleitmaterial, wie der Musikpädagoge Francois Förstel kritisch anmerkte. Stimmig in ihrer linearen Konzeption und entsprechend positiv in der Resonanz der gut besuchten Veranstaltungen waren die beiden Tage, die jeweils einem der ganz Großen der Avantgardeszene gewidmet waren: Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm. Beide waren die ganze Zeit anwesend und absolvierten zusammen mit den interessierten Zuhörern einen Veranstaltungsmarathon, ohne dabei Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Lachenmann gar spielte präzise und überzeugend am Abend eigene Klavierkompositionen, nachdem zuvor über ihn, seine Arbeit und mit ihm die Grundzüge seiner Ästhetik und Perspektiven der Interpretation seiner Werke diskutiert worden waren. Unter der kompetenten Leitung von Jörn Peter Hiekel (seit 2004 neues Vorstandsmitglied) setzten sich hier Isabel Mundry, Martin Kaltenecker sowie Ulrich Mosch und Hans Peter Jahn, (die beiden zuletzt genannten waren zusammen mit Rudolf Frisius auch am folgenden Tag mit Wolfgang Rihm zugegen) mit Komponist und Werk auseinander. Hier sei noch einmal die atmosphärische Besonderheit der Frühjahrstagung hervorgehoben: Die häufig hinsichtlich der Intimität einem Seminar glei-chenden Veranstaltungen ermöglichem den Besuchern eine viel intensivere, auch aktiv mit Redebeiträgen und Fragen eingreifende Teilnahme und Auseinandersetzung mit der Thematik als in den häufig nicht nur äußerlich publikumsfernen Podien größerer Festivals. Einziger Wermutstropfen war, dass angesichts der recht großen Anzahl der hochkompetenten ReferentInnen, der Fülle der Veranstaltungen und dem Diskussionsbedarf der TeilnehmerInnen ausgerechnet bei den Praxismodellen mit Lachenmanns Musik von Wolfgang Lessing für den Instrumentalunterricht und noch eklatanter für Francois Förstels Unterrichtsmodelle zeitlich und inhaltlich gekürzt, bzw. komprimiert werden musste. Förstel hatte dankenswerterweise, um der Unzufriedenheit der MusikpädagogInnen entgegenzuwirken, sich spontan bereit erklärt, den wichtigen Praxisteil in einer Zusatzveranstaltung nachzuholen. In der Mitgliederversammlung herrschte darüber gemeinsam mit den Vorständen Einigkeit, dass hier organisatorische Änderungen vorgenommen werden müssen und man darf mit Hinblick auf die nächste Tagung durchaus optimistisch sein. Sehr gegensätzliche Eindrücke und interessante Informationen konnte man im Forum Popularmusik und Neue Medien, für das Alexander Schwan verantwortlich war, gewinnen. Was „graue Musik“ ist, nämlich angeblich emotional neutrale (falls es das überhaupt gibt), die z.B. anlässlich von Todesfällen bedeutender Persönlichkeiten den Radiomachern verordnet werden, konnte man von SWR 3-Musikredakteur Matthias Kugler in seinem kurzweiligen Vortrag über die Programmgestaltung einer Popwelle erfahren. Während die dazu vorgestellten, von den Zuhörern als fragwürdig, da willkürlich empfundenen Kategorien für Poptitel insgesamt eher amüsiert aufgenommen wurden, entstand große Betroffenheit nach Bernd Rückwardts (Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz) mit vielen Beispielen veranschaulichte Darstellung zur aktuellen Musikkultur der Rechtsextremisten. Die hochprofessionelle Internetpräsenz, mit der die zutiefst rassistischen, menschenverachtenden Inhalte transportiert werden und vor allem die sehr leichte Zugänglichkeit für Kinder und Jugendliche machten deutlich, dass hier ein enormer Bedarf an Aufklärungs- und Präventionsarbeit nötig ist. Umso erfreulicher dagegen war es dann, wie beim Abschlusskonzert am Sonntag zu sehen, dass es unter der Anleitung erfahrener und kompetenter Pädagogen wie Mathias Handschick, Peter Ausländer und Erwin Stache ( der schon am ersten Konzertabend mit seinen elektroakustischen Klangerzeugern beeindruckte) möglich ist mit Kindern und Jugendlichen, auch innnerhalb kürzester Zeit, mit wenigen Workshopstunden eine beeindruckende Performance zu erarbeiten. Wobei hier nicht nur das Endprodukt das entscheidend Wertvolle war, sondern wie beispielsweise in Handschicks Kompositionskurs ebenso die spannenden ästhetischen Diskussionen unter den jugendlichen KomponistInnen während ihres Arbeitsprozesses. Silke Egeler-Wittmann >> zurück
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