|
||||
|
Publikationen |
Pressestimmen zur Tagung 2005 / Darmstädter Echo - Echo-Online.de Schöne Stellen können stören Bilanz: Im Mittelpunkt der Darmstädter Musikerziehertagung standen Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm DARMSTADT. Zwei deutsche Komponisten mit internationalem Ruf standen im Mittelpunkt der 59. Arbeitstagung des in Darmstadt beheimateten Instituts für Neue Musik und Musikerziehung: Helmut Lachenmann und Wolfgang Rihm. Lachenmann, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiern wird, eröffnete den ihm gewidmeten Tag in der Akademie für Tonkunst am Flügel mit dem wegweisenden Vortrag zweier Klavierstücke, „Wiegenmusik“ (1963) und „Ein Kinderspiel“ (1980). Seine Kunst, aus der Erzeugung des Klangs neue Wirkungen und Verstörungen zu gewinnen, war Gegenstand mehrerer erhellender Vorträge. Da wurde der unbezweifelbare Erfolg seiner Musik trotz deren unbequemer Haltung untersucht (Jörn Peter Hiekel), wurden Kriterien für die Beurteilung von Interpretationen seiner Musik vorgestellt (Ulrich Mosch) und Perspektiven seiner Musik aus französischer Sicht diskutiert (Martin Kaltenecker). Hans-Peter Jahn ging der Tatsache nach, dass „schöne Stellen“ bei Lachenmann schon wieder als Störfaktoren wirken, Wolfgang Lessing und François Förstel befassten sich mit pädagogischen Aspekten von Lachenmanns „kritischem Komponieren“, bevor das Abendkonzert mit der Pianistin Yukiko Sugawara und eine Vorführung des Films „Zwei Gefühle“ im Rex-Kino den Bogen zurück schlugen zur Musik Lachenmanns als radikaler Klangkunst. Musik als Zwiesprache zwischen Tradition und Aktualität war das Leitmotiv der Veranstaltungen für und mit Wolfgang Rihm. Ulrich Mosch suchte nach Gründen für die durchschlagende Wirkung der Musik Rihms, der Klarinettist Jörg Widmann belegte das gestalterische, geradezu bildnerische Vorgehen Rihms einleuchtend an klingenden Beispielen, Hans-Peter Jahn ging auf die Stellung des Komponisten im heutigen Musikleben ein. Das packende Konzert konfrontierte die „4 Male für Klarinette solo“ und drei Liederzyklen Rihms mit Klarinettenstücken Widmanns und – ein gezielter Rückblick – mit Robert Schumanns Fantasiestücken für Klarinette und Klavier. Neben Widmann wirkten der Bariton Thomas E. Bauer und der Pianist Siegfried Mauser mit. „Musik inszeniert“ war eigentlich das Motto der Tagung, doch es geriet nach Andrea Edels Überlegungen zur angemessenen Präsentation Neuer Musik aus der Sicht einer Konzertveranstalterin und nach dem Eröffnungskonzert etwas in den Hintergrund. Im Konzert faszinierte Erwin Stache die Zuhörer mit seinen selbst entworfenen elektroakustischen Instrumenten, die das Konzert fast in eine Zaubervorstellung verwandelten. Geradezu hausbacken wirkten demgegenüber die Darbietungen der Computer-Spezialisten Thomas Lehn und Markus Schmückler sowie des Pipa-Virtuosen Shi-Jong Wang. Positiv wurde von den rund hundert Teilnehmern vermerkt, dass auch das Thema Popular-Musik in mehreren Vorträgen angegangen wurde. Alexander Schwan zeigte auf, dass die Vermarktung von Pop-Musik vor vulgärem Sexismus nicht mehr Halt macht. Matthias Kugler, Musikredakteur bei SWR 3 in Baden-Baden, gewährte Einblicke ins Hörfunk-Studio und in die Arbeit der Programmgestalter. Und Bernd Rückwardt von der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz lieferte Besorgnis erregende Beispiele für die Musikkultur der Rechtsextremisten, für rassistische und demokratiefeindliche Inhalte in der rechten Musikszene. Die inhaltsreiche, niveauvolle Tagung endete mit einem Lichtblick in die Zukunft. Im Rahmen einer „Kinder-Uni“ waren etwa zwölf Kinder und Jugendliche an den Umgang mit Neuer Musik herangeführt worden, betreut von Peter Ausländer, Erwin Stache und Matthias Handschick. In einer einstündigen Präsentation zeigten sie, was sie in Workshops erarbeitet hatten: ein Stück experimentelles Musiktheater, den Umgang mit ungewohnten Instrumenten, das gesteuerte Improvisieren. Mit Recht wies Helmut Bieler-Wendt, der Vorsitzende des Instituts, darauf hin, dass hier Künstler und Hörer von morgen zu erleben waren. Nicht zuletzt diese Veranstaltung bewies, dass das Institut, trotz aller Sparzwänge und deren Auswirkung auf die Anzahl der Veranstaltungen, auf einem guten Weg ist. Klaus Trapp 5.4.2005 >> zurück
|
|||
|
||||