Archive for Juni, 2008

Die Preisträger des 5. VDS-Wettbewerbs teamwork! neue musik(er)finden stehen fest

Die Jury sichtete Einsendungen von 21 Schulen aus sieben Bundesländern und einer deutschsprachigen Schule in Frankreich. Nun stehen die Preisträger fest! Zwei Preise in Höhe von jeweils 1000 € gehen an die Klasse 2a der Auefeldschule in Kassel (Hessen) sowie an die Arbeitsgemeinschaft Klangbaustelle des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut (Baden-Württemberg). Ein Preis in Höhe von 500 € erhält der Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13 des Hindenburg-Gymnasiums in Trier (Rheinland-Pfalz). Zudem lobte die Jury einen Förderpreis für innovative Arbeit mit einem Schulorchester aus. Er geht an das Droste-Hülshoff-Gymnasium in Freiburg (Baden-Württemberg). Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträger!

KlangRäume und Ge(h)-Zeiten – die Preisträger des 5. VDS-Wettbewerbs teamwork! neue musik (er)finden

von Wolfgang Rüdiger

„Zeit und Bewegung“ lautete die Themenstellung des fünften Wettbewerbs teamwork! neue musik (er)finden des Verbands Deutscher Schulmusiker (VDS), unterstützt von der Stiftung Apfelbaum - Lernprojekte für Ko-Evolution und Integration Köln (im regionalen Sonderpreis fokussiert auf den Schwerpunkt „automobile – zwischen Ent- und Beschleunigung“).

In verschiedener Dichte und Verdichtung näherten sich 18 Einsendungen dieser Thematik, wobei ein Beitrag vier Schulen mit etlichen Kursen auf interdisziplinäre Weise vereinte, sodass die Beteiligung sich auf insgesamt 21 Schulen erstreckte. Nach eingehendem Studium der schriftlich und audiovisuell eingereichten Beiträge durch die einzelnen Juroren und nach intensiven gemeinsamen Beratungen konnte die Jury (Silke Egeler-Wittmann, Ortwin Nimczik, Wolfgang Rüdiger und Mathias Spahlinger) drei Hauptpreise in Höhe von zweimal 1000 € und einmal 500 € sowie einen Förderpreis in Höhe von 300 € vergeben.

Am dichtesten an die Teamworkvorgabe „Zeit und Bewegung“ hielten sich die beiden höchstprämierten Teilnehmer, die zudem das Altersspektrum zwischen Grundschule und gymnasialer Oberstufe absteckten. Die Klasse 2a der Auefeldschule in Kassel unter der Leitung von Bettina Walk, Christine Weghoff und Andreas Rubisch überzeugte durch die Komposition KlangRaum für Psalter, Fideln, Gamben und Scheithölzer in einer Klassenorchesterformation von 21 Kindern, geleitet von einer Dirigentin und einem Dirigenten aus den eigenen Reihen. Die Schülerkomposition entstand auf der Basis ausgiebigen Experimentierens und Erkundens der Klangmöglichkeiten des schuleigenen Instrumentariums, wobei die Kinder nach ausführlicher Diskussion des Klangmaterials und elementaren Warm-Up-Übungen zum Zusammenspiel und Aufeinander Hören einen fünfteiligen Kompositionsprozess entwickelten. Das Ergebnis besticht durch die intensive Ruhe und das feine Aushorchen leiser bis leisester Klangflächen und Punktklänge nach teils aleatorischen Prinzipien, die von der hochkonzentrierten Schulklasse unter der gestischen Anleitung des Dirigenten-Paares ausgeführt wurden - eine überzeugende Darbietung, die die Wettbewerbs-Kriterien der gemeinsamen Erfindung und Gestaltung, der Eigenständigkeit, Originalität und Intensität in „Werk“ und Wiedergabe voll erfüllte.

Gleichrangig in Erfindung und Ausführung stellte sich der Beitrag der Oberstufen-Arbeitsgemeinschaft Klangbaustelle des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut unter der Leitung von Matthias Handschick dar. As Time Goes By für 12 Spieler und Zuspielband lautet der einem Filmklassiker von 1931 entlehnte Titel der Gemeinschaftskomposition, mit der die mehrfach prämierte Neue Musik-AG einen Preis gewinnen konnte. Nach erster Ideensammlung und Erfindung kurzer Abschnitte mit verschiedenen Klangmaterialien, Zeitstrukturen und Bewegungsmustern entstand eine Komposition aus 24 Abschnitten von je 12 Sekunden Dauer mit jeweils 3 Sekunden Stille dazwischen, wobei Live-Events mit Tonband-Zuspielen abwechselten, auf denen die instrumental nicht realisierbaren Klangideen zu hören sind - ein poetisch feinsinniges Stück in der alltagsästhetischen Tradition von Dada und Fluxus mit zumeist scharf an- und abgeschnittenen Klangereignissen und überraschenden Wendungen.

Technische Klangerzeuger bilden das Ausgangsmaterial des teamwork-Preises Ge(h)-zeiten I - IV des Musik Leistungskurses Jahrgangsstufe 13 des Hindenburg-Gymnasiums Trier. Ausgehend von der Überlegung, dass Ton und Rhythmus ihrem Wesen nach Formen von Bewegung in der Zeit sind, und orientiert an der Zielsetzung, möglichst einfache Schwingungen ohne klassisches Instrumentarium zu erzeugen, gelangten die Schüler nach Experimenten mit diversen Haushalts- und Heimwerkergeräten zu einer faszinierenden Arbeit mit Schwingschleifern und Exzenterschleifern, deren abgebremste Schwingungen auf einen Flügel mit gedrücktem Pedal übertragen und, in Korrespondenz zum akustischen Nachhall, durch den „optischen Nachhall“ halb gefüllter Wasserbehälter, mit Strahlern angeleuchtet und mittels Spiegeln an die Decke projiziert, visualisiert wurden. So entstand im „Team“ von Maschinenklängen, Klavierresonanz und Decken-„Lichtspiel“ ein erstaunliches Klang-Gebilde, das einen imaginären futuristischen Raum zu eröffnen scheint. Drei Spieler an den Schleifmaschinen, drei Beleuchter für die Lichtprojektionen und ein Schüler am Flügelpedal arbeiten bei diesem Stück zusammen, während die restlichen Teilnehmer des Kurses für die Bild- und Tonaufnahme verantwortlich zeichnen. Klang der Ge(h)-zeiten als Kommen und Gehen, Brandung und Bremsung, Ebbe und Flut im Maschinenzeitalter - Technik und Kunst, Maschine meets Flügel meets Licht – ein vierteiliges Stück mit ungewöhnlich düsteren, beklemmenden bis bedrohlichen Klängen – Zeichen der Ab-Geh-Zeit von der Schule zugleich und tönende Signatur modernen Lebens.
Der zusätzliche Förderpreis ging an das Droste-Hülshoff-Gymnasium Freiburg unter der Leitung von Angelika Hilscher (in Kooperation mit Melise Mellinger und zwei Studierenden der Hochschule für Musik Freiburg) für das Schulorchesterstück übereinestimmung (in Anlehnung an Stockhausens Textkomposition Übereinstimmung) als förderungswürdiges Beispiel für innovative Arbeit mit einem Schulorchester ohne festen Bezug zur diesjährigen teamwork-Thematik.

Die Preisverleihung und Präsentation der drei teamwork-Hauptpreise findet statt im Rahmen der Bundesschulmusikwoche in Stuttgart am 18. September 2008 von 17.00 - 18. 30 Uhr. Moderiert von Jurymitgliedern, versprechen die Aufführungen der prämierten Werke eine Begegnung mit eigenwilligen, ausdrucksstarken Klang-Konzepten, die uns, wie jedes persönlich bedeutsame Kunstschaffen, erregen und bewegen werden. Denn: „Was von der Kunst bleibt, sind wir als Geänderte.“ (Robert Musil)